Freihanteltraining
Über die Vorteile des Trainings mit Freihanteln
Hypertrophie wird durch ein Training des laktischen Energiesystems erreicht. Ein optimales Resultat wird insbesondere bei Erschöpfung erzielt, etwa durch dreifach “forced repetition”. Ohne kompetente fachliche Betreuung ist Hypertrophie allerdings gerade für Anfänger und Nicht-Sportler schwierig zu trainieren.
2) Steigerung der Maximalkraft
Dies ist speziell für Sportlerinnen und Sportler wichtig, wobei sie von der Sportart abhängt. Ein optimaler Trainingseffekt stellt sich bei einer Belastung ab ca. 80% der Maximalkraft ein.
3) Steigerung der Explosivkraft
Dieser Punkt ist speziell für Sportlerinnen und Sportler relevant, die sich in Sportarten betätigen, bei denen es auf eine schnelle Reaktion ankommt (z.B. Fussball, Eishockey, Basketball). Eine messbare Steigerung der Beschleunigungsfähigkeit wird bereits mit Belastungen von 40% der Maximalkraft und weniger erreicht.
4) Einbezug spezifischer Bewegungsabläufe
Krafttraining ist ja gerade im Sport nie Selbstzweck, sondern wird immer im Hinblick auf ein bestimmtes Ziel betrieben (z.B. Sprinten, Springen oder Werfen). Darum ist ein Bezug zur konkreten Wettkampfbewegung äußerst wichtig.
5) Anpassen von Geschwindigkeit und Beschleunigung
Ein sinnvolles Krafttraining darf die Geschwindigkeit, mit der bestimmte Übungen absolviert werden, weder behindern noch in irgendeiner Form einschränken. Bei herkömmlichen Kraftmaschinen ist dies aufgrund mangelnder Anpassungsmöglichkeiten allerdings oft der Fall.
6) Betonung lokaler Effekte
Bodybuilder sind primär an isolierten, lokalen Effekten interessiert, dies hauptsächlich, um die gewünschte Symmetrie zu erzielen. Manchmal werden deshalb rotatorisch komplizierte Bewegungstechniken angewandt, die über mehrere Bewegungsachsen verlaufen.
7) Koordination
Es ist oft von optimalem Tonus und Stabilität in offenen oder geschlossenen Bewegungsketten die Rede. Wesentlich wichtiger ist allerdings, dass die Unterstützung der Bewegungen von den eigenen proprioceptiven Fähigkeiten ausgehen sollte und nicht vom Gerät.
Zum Schema
Die 6 bis 7 Pluspunkte beim Training mit Freihanteln (es fehlen lediglich die cardio-vaskulären Effekte eines extensiven Kraftausdauervermögens) liegen auf der Hand. Ein relativer Nachteil besteht darin, dass die Übungen perfekt beherrscht werden müssen (Verletzungsgefahr!) sowie eine eingehende Kenntnis der Belastungsvariablen einschließlich der dazugehörenden rehabilitationstechnischen Variationen von Übungen und Methoden vorausgesetzt werden muss. Dennoch: Lieber eine schwierige aber korrekt durchgeführte Rehabilitation anwenden, als sich auf eine reine Beschäftigungstherapie zu beschränken oder – schlimmer noch – diese zusätzlich mit wenig sinnvollen therapeutischen Mitteln zu kombinieren.
Noch ein paar Überlegungen, warum wir in der Rehabilitation Belastung wünschen: Belastung bedeutet eine aktive Begegnung, bei der man oft mit Schmerzempfindung, Koordination, Fragen zu Medikamenten etc. konfrontiert wird.
Freihantel vs. Kraftmaschine
Die Bedeutung eines gezielten Rehabilitationsprogramms mit Freihanteln ist heute leider noch viel zu wenig bekannt und wird selbst in Fachkreisen oft unterschätzt. Dabei können beim Training mit Freihanteln nicht nur Belastbarkeit und Geschwindigkeit wesentlich besser an die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten angepasst werden, im Vergleich zum konventionellen Training an Kraftmaschinen ermöglichen die bei dieser Therapieform angewandten funktionellen Bewegungsmuster gleichzeitig auch ein optimales proprioceptives Training.
Der vorliegende Artikel erhebt keinen Anspruch auf wissenschaftliche Vollständigkeit, sondern soll vielmehr als Anregung und praktischer Leitfaden für eine vermehrte Anwendung des Trainings mit Freihanteln in der Medizin- und Sportphysiotherapie dienen.
Um eines vorweg zu nehmen: Die Effektivität des Trainings mit Freihanteln ist ebenso unbestritten wie ihre eigentlichen Vorzüge noch weitgehend unbekannt sind. Es soll in den folgenden Ausführungen denn auch nicht darum gehen, anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse die Tauglichkeit dieser Methode zu belegen, als vielmehr darum, ein paar wesentliche Vorteile dieser Behandlungsart herauszustreichen. Im Vergleich zum Training an Kraftmaschinen variieren diese je nach den hierfür verwendeten Geräten. Bevor wir uns daher den spezifischen Möglichkeiten des Trainings mit Freihanteln zuwenden, möchten wir ein paar grundsätzliche Betrachtungen zu den heute gängigen Trainingsmöglichkeiten an konventionellen Geräten voranstellen.
Das Training an herkömmlichen Kraftgeräten
Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass in Fitnessstudios und Physiotherapie-Praxen heute eine stetig wachsende Anzahl höchst unterschiedlicher Geräte zur Verfügung steht. Gemeinsam ist ihnen allen lediglich, dass es seitens der Therapeutinnen und Therapeuten immer mehr Computer-Wissen braucht, um die High-Tech-Geräte überhaupt noch sinnvoll und zweckmässig bedienen zu können.
Im Wesentlichen lassen sich folgende Gerätetypen unterscheiden:
a) Geräte mit kontinuierlichem/konstantem Widerstand
b) Geräte mit variablem Widerstand
c) Geräte mit konstanter Geschwindigkeit
d) Geräte mit Pendelmechanismus
e) Geräte mit Variabilität bezüglich Muskelkontraktionen
f) Geräte mit cardio-vaskulären Akzenten
Charakteristika der Geräte im einzelnen:
a) Geräte mit kontinuierlichem/konstantem Widerstand
Diese Geräte sind insbesondere in Fitnessstudios und Bodybuilder-Centren äußerst gebräuchlich. Es handelt sich dabei um sogenannte „Sandwich-Geräte“, bei denen sich der Widerstand mittels Steckgewichten einstellen lässt. Der Gerätewiderstand bleibt über den ganzen Bewegungsausschlag (range of motion) gleich. Je nach Hebelarm misst man allerdings sehr unterschiedliche Widerstandswerte am arbeitenden Gelenk resp. Muskel.
Die bekanntesten Geräte sind Legpress, Latpulldown, Calfraiser, Crossoverpully, Hamstrings, Curlleg extension u. a. m.
b) Geräte mit variablem Widerstand
Hier passt sich das Gerät an den kontinuierlich veränderten Hebelarm an, d.h. je weiter die Entfernung vom Drehpunkt ist, umso kleiner wird das Gewicht. Zwar haben diese Geräte den Vorteil, dass sich während des gesamten Bewegungsablaufes eine optimale Belastung (overload) ergibt, die ihrerseits zur gewünschten Adaption führt. Allerdings ist bei dynamischem Bewegen sowohl auf normal funktionaler Ebene (ADL) als auch beim Sport ein kontinuierliches Anpassen an unterschiedliche Hebelarme erforderlich.
Die bekanntesten Geräte hier sind Cammachine und Isokinetic.
c) Geräte mit konstanter Geschwindigkeit
Hier handelt es sich um pneumatische und hydraulische Geräte, deren Geschwindigkeit sich nicht oder kaum beeinflussen lässt, d.h. Geräte, die mit konstantem Luft- bzw. Öldruck arbeiten, was eine Beschleunigung der Bewegung praktisch verunmöglicht oder, wo eine solche dennoch forciert wird, mit einer erheblichen Zunahme des Widerstands verbunden ist. Aufgrund ihrer wenig spezifischen Trainingseigenschaften gelten solche Geräte im allgemeinen als nicht sehr funktional.
d) Geräte mit Pendelmechanismus
Auch „Schnelltrainer“ genannt (benannt nach dem Entwicklungsingenieur Schnell). Dabei werden einzelne Pendelgeräte, von denen jedes eine andere Muskelgruppe trainiert, hintereinander zu einer sogenannten „Schnellstrasse“ aufgereiht. Die offene Bewegungskette, die sich durch diese Anordnung ergibt, ist allerdings für die unteren Extremitäten denkbar ungeeignet.
e) Geräte mit Variabilität bezüglich Muskelkontraktionen
Diese Art von Geräten ist vor allem bei paramedizinischen Anwendungen populär, da die Belastung nur isometrisch oder nur konzentrisch erfolgen kann. Gerade bei verletzten Personen werden exzentrische Übungen freilich oft aus zum Teil falsch verstandener Rücksicht vernachlässigt. Da wir uns alle allerdings naturgemäß in einer exzentrischen Welt bewegen, d.h. in einem Umfeld, das sich ohne die Wirkung der Schwerkraft nur schwer vorstellen und ohne sie kaum bewältigen lässt, ist eine rein konzentrische Bewegungstherapie letztlich ein wenig effizientes “Beschäftigungsprogramm”.
f) Geräte mit cardio-vaskulären Akzenten
In der Herz-/Lungenrehabilitation gelangen immer mehr computerisierte Geräte zum Einsatz, d.h. Geräte, die Werte wie Herzfrequenz, Geschwindigkeit, Widerstand, Blutdruck, Anzahl Umdrehungen, Watt und sogar den Kalorienverbrauch auf einem Monitor wiedergeben. Zwar gibt das Training an solchen Geräten (z.B. Steppgeräte, Laufband und Fahrradergometer) insgesamt einen guten Stimulus, die Adaption ist aber relativ gering und hat wenig Bezug zur azyklischen Belastung, wie sie der Alltag mit sich bringt. Ein ergänzendes Training wie etwa das Brisk-Walking (schnelles Gehen) ist daher unbedingt zu empfehlen.





